Precision Touch Design (PTD) nach David Stanwood, USA
Seit Oktober 2010 ist PIANO HÖLLRIEGL der erste Precision Touch Design (PTD) - Fachbetrieb für die Installation und Wartung in Deutschland. PTD optimiert Flügelmechaniken in Geometrie, Reibung und Massenverteilung.
Das Ergebnis: Die Energie, die benötigt wird, um genau den gewünschten Ton zu erzeugen, ist damit vorhersagbar: Für den Pianisten exakt für jeden Ton für ein zuverlässiges und gleichmäßiges pianissimo, für den Techniker für die Optimierung kompletter Mechaniken - maßgeschneidert auf die Wünsche des Kunden.
Falls Sie Fragen zu diesem Thema haben, freuen wir uns auf Ihre Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.
Und hier ein kleiner Film zum Thema:
Weitere Informationen erhalten Sie außerdem unter folgenden links:
www.ptdae.com
www.stanwoodpiano.com
www.miracleinabox.com
Die Entwicklung des Precision TouchDesigns by David Stanwood, USA
Über zehn Jahre lang hat David Stanwood (USA) umfangreiche Studien an Flügelmechaniken durchgeführt.
Sein Ergebnis war, dass die bisherigen Methoden nicht adäquat waren, die Spielart eines Instruments ausreichend zu messen oder zu beschreiben. Deshalb entwickelte er ein System, das erklärt, weshalb sich Klaviere so anfühlen, wie sie es tun.
Er nennt dieses System "The New Touch Weight Metrology". Dieses elegant logische Messsystem birgt eine Fülle völlig neuen Wissens darüber, welche Parameter die Spielart eines Flügels oder Klaviers beeinflussen.
Die Erkenntnisse hieraus führten zur Entwicklung des Precision TouchDesign (US Patent # 5585582 und # 5796024).
Jedes Klavier hat ein TouchDesign ...
Was ist ein TouchDesign?
Es ist ein Rezept für die Gestaltung von Masseverteilung und Reibung innerhalb des Spielwerks.
David Stanwood stellte in seinen Studien fest, dass die TouchDesigns innerhalb eines Instruments von Taste zu Taste stark variieren. Stellt man die Parameter sehr gleichmäßig von Note zu Note ein, erhält man eine ebenso gleichmäßige Reaktion der Tasten und ein völlig ausgeglichenes Spielgefühl.
Die kombinierten Ebenen der TouchDesign-Parameter erklären außerdem, ob sich das Instrument zu schwer, zu leicht, oder genau richtig anfühlt und ob sich die klangliche Dynamik eines Flügels oder Klaviers voll entwickeln kann.
Die Methode erlaubt es sogar, eine Spielart von einem auf ein anderes Instrument zu übertragen. Die Spielart wird erstmals eine messbare Größe, in der die Anforderungen eines Spielers und die Möglichkeiten des Instruments in Form von klar definierten Parametern festgehalten werden können. Dies war bisher schlicht nicht möglich.
Wie funktioniert das Precision TouchDesign?
PTD setzt neue Maßstäbe bei der Konstruktion und Optimierung von Flügelmechaniken und bringt diese auf ein höheres Niveau als es bisher möglich war.
Grundlage des Systems ist die Kalibrierung der Mechanikteile für eine gleichmäßige Massenverteilung innerhalb des Spielwerks.
Gewichtsunterschiede bei der anschlagenden Masse (Hammer + Stiel) und unterschiedliche Reibungsmomente der Mechanikachsen führen bei der Montage des Spielwerks zu erheblichen Differenzen in Menge, Größe und Position der Tastenbleie.
Ein Beispiel:
Hammer (+ masserelevanter Teil des Hammerstiels) Nr. 40 hat ein Gewicht von 9,1g.
Ein leichter Hammerkopf trifft hier beispielsweise auf einen leichten Hammerstiel. Die Reibung innerhalb des Systems Nr. 40 (Achsen und Reibungspunkte von Hammer bis Taste) liegt bei 7,4g
Hammer Nr. 41 liegt (mit Stielanteil) bei 9,5g, die Reibung in diesem System bei 11,4g.
Die Folge: System Nr. 41 muss bei einem üblichen Übersetzungsverhältnis von beispielsweise 1:5,5 mit mindestens einem Blei mehr in der Taste „ausgeglichen" werden, um ein einheitliches, statisches Niedergewicht von z.B. 50g zu erhalten.
Beim dynamischen Spiel hat der Pianist bei Taste 41 nun aber mehr Masse zu bewegen als bei Taste 40.
Die Folge:
- Der Kraftaufwand für das Erzielen des gewünschten Klangs ist höher als bei der Nachbartaste oder
- der Ton ist unterschiedlich laut und hat eine unterschiedliche Klangfarbe bei gleichem Kraftaufwand.
Die Intonation bietet hier zwar begrenzten Einfluss auf die Klangcharakteristik, ein kontrolliertes Spiel bleibt aber aufgrund unterschiedlich schwerer Systeme von Taste zu Taste - gerade vom pianissimo bis zum mezzoforte - schwieriger als nötig.
Zur Veranschaulichung zerlegen wir das Spielwerk eines beliebigen Flügels in seine geometrischen Bestandteile. Im folgenden Beispiel handelt es sich um die Überholung eines hochwertigen Flügels mit fabrikneuen Hämmern und der originalen Klaviatur:
1. Das Strike Weight

Man versteht darunter das Gewicht des Hammers. Diese Masse beschleunigen wir durch die Betätigung der Taste mit Hilfe der Übersetzung des Spielwerks. Der Hammer erregt die Saite. Die Saite den Resonanzboden, der die Luft und diese letztendlich unser Trommelfell. Was also in unserem Ohr ankommt, hängt wesentlich von dieser Masse ab. Hier ein Diagramm, in dem alle 88 Strike Weights abgebildet sind. Es wird deutlich, dass die Massen von Taste zu Taste sehr stark variieren. Jede der grauen Linien stellt eine Idealkurve dar. Oft liegt diese Ungenauigkeit an der unterschiedlichen Breite des Hammerkopfs. Wenn Sie in einen Flügel sehen, können Sie das mit bloßem Auge erkennen. Ein Gegenbleien in der Taste würde aber unterschiedlich schwere Systeme erzeugen.

Hier das Strike Weight nach der Kalibrierung nach dem PTD-Verfahren. Die Kurve zeigt die tatsächlich gemessenen Einzelgewichte der Hämmer.
Im Hingergrund (grau) die Trendlinie der ursprünglichen Hammergewichte.
Die Kalibrierung der Hämmer ist bereits als Einzelmaßnahme deutlich wahrnehmbar. Aber dieser Parameter ist nur einer von mehreren...
2. Das Front Weight

Es handelt sich hier um das Gewicht, mit dem die Taste ohne Mechaniklast nach vorne fällt. Am Beispiel von 18 Tasten wird in dieser Grafik deutlich, dass die Tasten vorne zu schwer sind, d.h., zu viel Bleie eingenietet sind, und teliweise von Taste zu Taste Unterschiede von bis zu 7 Gramm aufweisen!
Unterschiedliche Hammermassen und unterschiedliche Reibungen in den Systemen summieren sich hier auf. Hammermassen sind kalibrierbar. Die Reibung kann und darf nach unserem Verständnis keinen Einfluss auf die Anordnung der Tastenbleie haben, da sich die Reibung permanent ändert. Sind die Hämmer kalibriert, kann die Klaviatur geometrisch und auf das zehntel Gramm genau ausgebleit werden.

Hier das Ergebnis.
Im Hintergrund wieder die graue Trendlinie der ursprünglichen Front Weghts. Die beiden unteren Linien zeigen die Klaviatur nach der Entfernung der Originalbleie und nach Verschluss der Bohrungen.
Die schwarzen Obertasten wählten wir hier bewusst mit einem leicht höheren Front Weight.
Nachdem nun die Massenverteilung im Spielwerk optimiert ist, haben wir erst die Möglichkeit, die Qualität unserer Teile zu prüfen, die Reibung zu isolieren und damit einzustellen, und die Gesamtübersetzung des Spielwerks zu messen.
3. Das Balance Weight

Auf- und Niedergewicht, Standardwerte bei der Montage eines Spielwerks, sind reibungsbeeinflusst. Wir blenden Sie daher vorerst aus.
Das Mittel aus Auf- und Niedergewicht, das Balance-Weight, ist das Maß für eine ausgewogene Mechanik.
Hier ein Diagramm des Flügels vor der Installation eines Precision TouchDesigns.
Das Balance Weight ist das variabelste Maß und kann auf Spieler und Instrument angepasst werden. Ein hohes Balance-Weight beispielsweise erfordert mehr Kraft, gleichzeitig wird aber auch die Masse des Hammers besser spürbar und die Repitition verbessert.

Hier die Grafik nach der Installation eines PTDs.
Das Balance Weight ist innerhalb von nur 4 Gramm gleichmäßig. Erneuert man die Hebeglieder und kalibriert auch diese, kann auch diese Streuung noch verbessert werden.
Ein weiterer, wesentlicher Vorteil:
Nach der Installatioin des Precision TouchDesigns muss auch bei wiederholter Erneuerung von verschlissenen Hämmern kein einziges Blei mehr entfernt oder eingebohrt werden.
Oft kommen wir an Flügel von Spitzenherstellern, bei denen wir die Klaviatur nicht mehr verwenden können, weil das Tastenholz durch permanentes Bohren und Nachbleien verbraucht ist.
4. Die Ratio

Die Ratio ist das Maß für die Gesamtübersetzung eines Spielwerks und muss immer zum verwendeten Hammer passen. Bis heute werden Ersatzhämmer nach Maß bestellt und verbaut, obwohl sich das Gewicht oft stark von den originalen unterscheidet. Oft kommt es dann zu einer extrem schweren Spielart, einer schlechten Repitition oder sogar zu gesundheitlichen Problemen beim Klavierspiel. Piano Höllriegl wählt immer aus mehreren Sätzen aus und wählt die für das Instrument geeingtete Originalware.
Falls Ihr Flügel schön klingt, aber nicht der Spielart entspricht, die Sie Sich wünschen, kann das durch die Installation eines Precision TouchDesigns beseitigt werden.
Bei diesem Flügel war das Übersetzungsverhältnis zu hoch und variierte auch intollerabel stark.

Hier das Gesamt-Übersetzungsverhältnis nach getaner Arbeit.
Die Ratio von 5,5 passt ideal zu dem gewählten Strike Weight. Der Flügel spielt dynamisch, ist im pianissimo bis zur Unhörbarkeit perfekt kontrollierbar und repitiert von Taste zu Taste gleich gut.
Durch die gute Kontrolle im ppp wird die dynamische Bandbreite enorm vergrößert. Der Pianist erzielt mühelos den gewünschten Ton.
Die Streuung der Ratio kommt hier überwiegend aus der Weiterverwendung der originalen Hebeglieder, ist aber kaum mehr wahrnehmbar.
5. Friction

Die Reibung - durch die Isolierung der Reibung bei der Installation des Precision TouchDesigns ist es jetzt möglich, diese in einfacher Weise zu messen.
So werden schadhafte Achsen oder fehlerhafte Teile sofort erkannt und können erneuert werden. Außerdem kann die Reibung ideal eingestellt werden. Man dachte lange, je weniger Reibung im Spielwerk ist, desto besser wird die Spielart.
Hunderte von Analysen und die Diskussion mit Top-Pianisten haben gezeigt, wo das Idealmaß der Reibung liegt und welche Mechanikglieder auf welches Reibungsmaß eingestellt werden müssen.
Auch das ist eine völlig neue Betrachtung bei der Optimierung von Spielwerken.

Hier ist die Reibung auf ein vernünftiges Maß eingestellt.
Sie sorgt für eine gute Kontrolle des Hammergangs und für ein gleichmäßiges Aufgewicht und eine perfekte Repitition.
Ein weiterer Vorteil:
Ein gleichmäßiges Balance-Gewicht in Kombination mit einer gut eingestellten Reibung garantiert über Jahrzehnte eine stets gleichmäßige Spielart.
Interessanterweise kann man feststellen, dass Klangunterschiede innerhalb der Lagen eines Instruments, die vor der Kalibrierung von Hammer und Taste signifikant im Instrument waren, bei der Installation eines Precision Touch Designs oft fast völlig verschwinden.
Das Verfahren optimiert also nicht nur das Spielwerk für eine Vorhersagbarkeit von Eingabe und Resultat, sondern verbessert zudem die Gleichmäßigkeit in Klang und Modulation.
Es liegt mittlerweile eine große Datenmenge von analysierten Flügeln vor.
Eine einfache Spielwerkanalyse lässt Schlussfolgerungen auf mögliche Probleme beim Spielen zu und ermöglicht es erstmals, eine Spielart mathematisch zu beschreiben und technische Fehler im Spielwerk aufzuzeigen. Die Spielwerkanalyse gehört bei uns zur Standard-Vorgehensweise bei Mechanikarbeiten und kann sogar vor Ort erfolgen.
Änderungswünsche können dort sogar unmittelbar im Gespräch und ggf. mit Proben am Instrument klar definiert werden.
Bitte beachten Sie: Es handelt sich bei Precision Touch Design um einen „after-market-service", der herstellerseitig leider nicht angeboten wird.
Precision TouchDesign - Der neue Standard
Stanwood analysierte die Spielart von vielen Flügeln und glich die Daten mit den Einschätzungen von Pianisten ab. Daraus entwickelte er TouchDesign-Spezifikationen für Standard- und für kundenspezifische Konfigurationen, sogenannte "Precision TouchDesigns".
Dadurch kann jeder Flügel in einem neuen, höheren Standard in Mechanikeffizienz und in der Gleichmäßigkeit von Spielart und Klang konfiguriert werden, als es bisher möglich war.
Vergleichen Sie das Klavierspiel mit dem kunstvollen Tanz auf einer Treppe. Mit einem Precision TouchDesign sind die Stufen in Höhe und Tiefe sehr gleichmäßig und die Stufen haben genau die richtige Steigung. Ohne Precision TouchDesign sind die einzelnen Stufen ungleichmäßig, die Treppe ist insgesamt möglicherweise zu steil oder zu flach und man verschwendet einen unnötigen Aufwand in der Technik, damit zurechtzukommen.
Precision TouchDesign sorgt für eine präzise Anordnung der vielen Massekomponenten wie Hammer oder Tastenblei und garantiert so reibungslose Übergänge in Intonation und Spielart von Note zu Note, auf Wunsch angepasst an die Physis des Spielers.
Die Biographie
David C. Stanwood schöpft aus einem Leben voller Erfahrungen in den unterschiedlichsten Bereichen, einschließlich Werkzeugmaschinenbau, Filzherstellung, künstlerische Fotografie, professionelle Segeln und Takelage, klassisches Klavier und Gartenbauwissenschaften. Er erhielt seinen Abschluss in Fotografie, Science and Engineering am Rochester Institute of Technology.
Sein Lebenswerk begann 1978, als er sein Zertifikat von der Piano-Technologie-Abteilung der North Bennet St. School in Boston unter William E. Garlick erhielt.
Die erste Frage, die er stellte, war: "Was kann ich ändern, wenn sich die Mechanik eines Klaviers nicht richtig anfühlt"
Das wiederholte Fehlen von konkreten Antworten auf diese Frage brachte ihn dazu, nachzuforschen und Methoden zur Verbesserung der Haptik von Klaviermechaniken zu entwickeln. Ein entscheidendes Ereignis in seiner Karriere trat im August 1988 ein, als Rudolf Serkin einen Steinwayflügel, Modell D-274, der mit einem Prototyp seiner „verbesserten Mechanik" ausgestattet war, testete. Serkin war positiv beeindruckt und ermutigte Stanwood, seinen Weg fortzuführen.
Geleitet von Auswertungen seiner Arbeit mit Top-Pianisten, begann Stanwood, „The New Touch Weight Metrology" zu entwickeln.
Dieses neue System von Einheiten und Maßnahmen beschreibt, wie jedes Mechanikteil die Spielart in Bezug auf Gewicht, Gängigkeit und Reibung beeinflusst. Die Krönung dieser Entwicklung ist die Entdeckung der "Balance-Gleichung".
Damit eröffnete sich ein ganz neues Feld von Studium und Praxis, das der "Piano Touchweight
Technology", die ihren Höhepunkt in der Schaffung des „Precision TouchDesigns" hat.
Seine Arbeit verbessert in deutlicher Weise die Qualität der Klaviere in der Restaurierung, dem Neuaufbau oder dem Neubau. Sie ermöglicht erstmals die Anpassung des Spielwerks an die Vorgaben des Pianisten oder an die Möglichkeiten eines Instruments. Bis heute wurden bereits Hunderte von Konzertflügeln mit einem Precision TouchDesign ausgestattet. Seine Arbeit unterstützt auch die Klavierpädagogik. Studenten profitieren von der verbesserten Qualität der Übungs- und Konzertinstrumente an Hochschulen und Universitäten.
Seine Arbeit half auch Pianisten, die eine Verletzung erlitten oder in schlechtem Gesundheitszustand sind, so zum Beispiel dem weltberühmten Improvisationskünstler Keith Jarrett, der am Chronischen Erschöpfungssyndrom litt.
Stanwoods Ziel ist die Integration seiner Komponente in den Neubau und die Reparatur von Flügeln und Klavieren und die Verankerung der „Touch Weight Metrology" in die Lehrpläne der Klavierbauer-Schulen auf der ganzen Welt. Einige Schulen, so zum Beispiel die „Master of Arts in Piano-Technology, Florida" oder die „State University Tallahassee" haben dies bereits umgesetzt.
Stanwood verbrachte eine beträchtliche Menge an Zeit mit dem Unterricht auf seinem Fachgebiet.
Im Oktober 1990 veröffentlichte er "Die Beschreibung der Reibung mit dem Balance Weight System"
im Journal der Piano Technician Guild (USA). Im Juni 1996 veröffentlichte er "The New Touchweight Metrology", ebenfalls im PTG - Journal, gefolgt von einer Reihe von Artikeln im Jahr 2000, die ein ganzes wissenschaftliches Kapitel innerhalb dieser Disziplin darstellte. Stanwood wird häufig gebeten, Kurse und Seminare für Klavier-Techniker in den USA und in Europa zu geben. Seit 1991 ist er als teilnehmender Dozent in der Hauptversammlung des Instituts für die Piano Technician Guild, USA, vertreten.
Am 1. Juni 2007 wurde Stanwood mit dem Distinguished Alumni Award der North St. Bennet School für seine Verdienste im Klavierbauerhandwerk ausgezeichnet.
Er lebt und arbeitet in seinem Haus in der Lambert 's Cove im Bereich der West Tisbury, auf der
Insel Martha 's Vineyard in Massachusetts.
Auszug aus der Referenzenliste
Pianisten und Kunden beschreiben ihre Erfahrungen mit dem Precision TouchDesign:
März 2007
John Callahan
John Callahan von Callahan Piano Service in Oakland, Kalifornien beschreibt den Effekt, wie Precision TouchDesign seine Arbeit veränderte.
März 2007
Garrett Glass
Garrett Glass realisiert die Verknüpfung von Mechanik und Klaviertechnik an seinem Fazioli-Flügel:
„Wow! That was my first reaction after the Stanwood Precision Touch Design was installed. Suddenly I was able to play passages that had always eluded me, or demanding pieces like the Chopin etudes that previously I could only stumble through. In the past I assumed the problem was with me. What a revelation to discover that I had much greater potential as an amateur pianist than I ever imagined - as long as the piano was performing at its top capability.
David Stanwood selects his technicians carefully and trains them well. My technician wanted to understand completely what I was looking for in a piano action, and exactly how I played the instrument (did I stroke the keys, or push down more heavily). Everybody's style of playing is somewhat different, and one of the great benefits of the Precision Touch Design is that it corresponds to your style of playing. My technician also recommended an enhancement to the Precision Touch Design - adding magnets to the action to improve responsiveness and tonal control.
I was nervous at first about installing the Precision Touch Design. My instrument is an older model Fazioli F228, which is already an exquisite piano. The Precision Touch Design improvements, however, were immediately discernible and very substantial. They made playing a superb piano even more enjoyable. Frankly, I wish I had done this a lot earlier. I wasted years blaming myself and my technique, when all along it was the instrument that needed improvement.
I'll leave you with just one example. Beethoven's last movement of his Waldstein sonata has some famous octave glissando passages. I always played these glissandi with two hands, like the editors' notes suggest "for the modern piano." Everybody knows the modern grand piano's action is too heavy when compared to Beethoven's instrument. A few months after installing the Precision Touch Design I was playing through the Waldstein sonata and nearly fell off the piano stool when I discovered I could play these octave glissandi as written, with just the right hand. Somehow David Stanwood has discovered a way to transform the modern grand piano into an instrument capable of performing with all the lightness of an early 19th century instrument, without sacrificing any of the depth of tone.
Now that's genius!"
Oktober 2006
Keith Jarrett (siehe auch November 1998 und September 2000)
KEYBOARD MAGAZINE, October 2006 - Page 28
"Stanwood and my tuner transformed my instrument so that each key has the same exact tension from top to bottom, as you press a key." Keith said. "It eliminates the inertia starting to press a key, which is called the breakaway. So playing very soft is possible for the first time, while still in total control. You can also get true legato on it, which is great for Mozart."
August 2006
Adam Lipsky
Der talentierte und aufstrebende junge Pianist beschreibt, was er an Precision TouchDesign so liebt:
"Die Kraft, die Sie aufwenden, entspricht exakt dem Klang, den Sie bekommen,"
Januar 2003
Garrick Ohlssen
Der international renommierte Konzertpianist hat viele positive Erfahrungen mit der Installation von Precision TouchDesign in Klavieren. Er hat seinen bevorzugten Trainings-Flügel zuhause mit einem PTD aufrüsten lassen.
Januar 2003
Carol Swenson
Eine Flügelbesitzerin in Stanford, Kalifornien, war mit der Arbeit an ihrem Steinway nicht zufireden. Nach der Installation eines Precision TouchDesigns aber sagte sie: "Die Mechanik ist komplett gleichmäßig, reaktionsschnell und glatt wie Seide. Der Klang ist unglaublich schön, die Intonation perfekt..."
Juni 2001
Ricard de la Rosa
Der Gründer von Pro Piano, Nordamerikas größter unabhängiger Lieferant von Konzertflügeln, kommentiert Stanwoods Arbeit.
Mai 2001
Eric Wolfley
Konzert-Pianotechniker an der University of Cincinnati beschreibt seine jüngsten Konzertbühnenerfahrungen mit Fred Hersch
September 2000
Keith Jarrett
Beschreibt seine Version von Precision TouchDesign in der 11. September 2000 im National Public Radio Interview auf "Fresh Air" mit Radiomoderator Terry Gross
"This is FRESH AIR. I'm Terry Gross. One of the most famous pianists in jazz, Keith Jarrett, a musician acclaimed for his emotional intensity and his physically energetic, improvised, solo, piano performances, has had to keep his playing to a minimum in the past few years. He's had chronic fatigue syndrome since 1996. We recorded an interview with him from his home and discussed how
his illness has changed his approach to music. We also talked about his childhood in Allentown, Pennsylvania, when he was a piano prodigy. Jarrett says his health is improving, and he estimates that he is now about 70-percent recovered.
Last year, he released a solo album of ballads called "The Melody At Night, With You," which was recorded at his home. We'll listen to some of it. And we'll also preview his new trio CD of standards, called "Whisper Not," which will be released in October.
Jarrett used to be pretty manic in concert and very obsessive about his playing. I asked him how those traits have been affected by chronic fatigue syndrome.
Mr. KEITH JARRETT: I had to change everything about my approach before I could even start to play again. And "The Melody At Night, With You" was--is never going to be--there won't be another recording that's more important to me, in many ways. But one of them that I can explain easily is that I had not played for a long time.<snip>
<snip>
Mr. JARRETT: Now there's so much to say about each song ("The Melody At Night,With You,"), because of the way the piano... I had had my piano overhauled in a special action,... a major change in the action. It gets technical if I try to describe all the things that happened, that were a part of that recording, without one of them, it would have failed. I would have, maybe, had something to give to my wife, but I wouldn't have listened to it and thought it would translate into everyone's home.
GROSS: So what you did was change the action on the piano so that you could have a lighter touch and still have the piano resonate?
Mr. JARRETT: Well, no. It's actually more complicated than that. There's a thing called the breakaway, which is like surface tension on water. Every piano that's stock from any company that I know of has a break-away. In other words, when you first push the key down, it's harder, and then it's not. So if you wanted to play very very soft, you still would be taking a giant risk because you'd have to press hard first, and then you'd have to let up before you hit the string.
GROSS: Mm-hmm.
Mr. JARRETT: And that's what every pianist is dealing with all the time. And then I heard about someone (David C. Stanwood) who was able to, using little springs and a whole barrage of ideas, including taking all the parts out of the piano, and weighing them all, and making them exactly the same weight,... every little piece of wood and metal I guess and all the bushings. Everything had to be the same exact weight first. Then he has a way where that break-away doesn't exist, but the action's the same weight resistance against your finger. So it's a more liquid action when you press down. If you want to play loud, you can still play loud, but there's not that initial snap. You don't need to snap the key. So if you listen to "The Melody At Night, With You" on a good system, you notice the dynamic range is pretty wide for a piano recording that sounds so closely miked. And I think that's a lot to do with that action.
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Dokumentation
Neubau eines Klaviers der Marke Steingraeber & Söhne und Einbau in ein vorhandenes Gehäuse der Marke Steingaeber & Söhne
Februar bis August 2007
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Inhalt:
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1. Steingraeber & Söhne, Fabrikationsnummer 4 729
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1.1. Bestand
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1.1.1. Die Akustische Anlage
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1.1.2. Das Spielwerk
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1.1.3. Das Gehäuse
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1.1.3.1. Die Seiten
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1.1.3.2. Der Sockel
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1.1.3.3. Die Konsolen
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1.1.3.4. Die Füße
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1.1.3.5. Der Stuhlboden
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1.1.3.6. Die Arme
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1.1.3.7. Der Deckel
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1.1.3.8. Die Klappe und die Hohlkehle
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1.1.3.9. Der Oberrahmen
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1.1.3.10. Der Unterrahmen
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1.2. Demontage
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1.2.1. Die Beschläge
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1.2.2. Die Seiten und der Hinterdeckel
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1.2.3. Der Sockel
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1.2.4. Die Rahmen und Füllungen
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1.2.5. Die sonstige Gehäuseteile
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1.3. Ergänzungs- & Oberflächenarbeiten
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1.3.1. Die Bassseite
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1.3.2. Die Füße
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1.3.3. Die Klappe
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1.3.4. Der Hinterdeckel
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1.3.5. Das Vorbereiten für die Montage
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2. Steingraeber & Söhne, Fabrikationsnummer 45 548
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2.1. Akustische Anlage
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2.1.1. Die Auswahl und das Vorbereiten des Rastens
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2.1.2. Das Aufleimen der Stege
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2.1.3. Das Vorbereiten und Lackieren der Gussplatte
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2.1.4. Das Aufpassen der Gussplatte
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2.1.5. Das Abstechen der Stege
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2.1.6. Das Lackieren von Resonanzboden und Stegen
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2.1.7. Das Aufschrauben der Gussplatte
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2.1.8. Das Beziehen
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2.2. Der Einbau
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2.2.1. Das Umleimen
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2.2.2. Die Abschlussarbeiten
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2.2.2.1 Das Schwärzen
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2.2.2.2. Die Montage der Füllungen
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2.2.2.3. Das Einpassen der Gehäuseteile
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2.2.2.4. Die Garnierungen
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2.2.2.5. Der Rastenabschluss
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2.3. Spielwerk
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2.3.1. Das Vorbereiten der Mechanik
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2.3.2. Das Stellen der Mechanik
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2.3.3. Das Dämpfungsetzen
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2.3.4. Das Hämmereinleimen
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2.3.4. Das Vorbereiten der Klaviatur
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2.3.5. Der Einbau der Klaviatur
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2.3.6. Das Regulieren und Ausarbeiten
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3. Anhang
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3.1. Materialnachweis
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3.1.1. Das Gehäuse
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3.1.2. Die Mechanik
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3.1.3. Die Klaviatur
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3.1.4. Die Akustische Anlage
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3.2. Technische Daten
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3.2.1. Die Einbaumaße
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3.2.2. Das Gehäuse
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3.2.3. Die wichtigsten Mensurdaten
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3.2.3.1. Die Anschlagslängen
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3.2.3.2. Die Saitendicken
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3.2.4. Das Spielwerk
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3.2.4.1. Die Reguliermaße
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3.2.4.2. Die Beschreibung
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3.3. Dokumente
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3.3.1. Laufzettel Steingaeber & Söhne, Fabrikationsnummer 4 729
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3.3.2. Rechnung Steingraeber & Söhne, Fabrikationsnummer 45 548
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3.3.3. Rechnung Elfenbeinbeläge und Cites-Nummer-Nachweis
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3.3.4. Garantieurkunde
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3.4. Pflegehinweise
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1. Steingraeber & Söhne, Fabrikationsnummer 4 729:
1.1. Bestand
Ich verwende das Gehäuse eines Steingraeber & Söhne-
Klaviers, Modell 144, Fabriknummer 4 729, Baujahr
1887, Oberfläche Walnuss Wurzel, Schelllack poliert.
Das Klavier kaufte ich im Jahr 2004 in Erlangen an,
bereits mit dem Ziel, das Gehäuse für einen Neueinbau
zu verwenden. Neben den typischen Steingraeber-
Merkmalen wie dem waagerechten Resonanzboden mit
senkrechter Berippung oder dem zweiteiligen Langsteg
weist dieses Klavier weitere Besonderheiten auf.
Es handelt sich um einen Kreuzsaiter mit
Oberdämpfermechanik und una-corda-Funktion
(Verschiebung eines separaten Obergliederbalkens).
Die Ansteuerung über das Pedal erfolgt durch einen
Winkelhebel am Obergliederbalken. Die Unterglieder,
die Dämpfer und die Klaviatur bleiben also unbewegt.

Der einfach geschwungene Basssteg ist durch die
Bassbrücke mit einem zweifach geschwungenen
Brückenfuß auf dem Resonanzboden verleimt. Der
Resonanzboden ist im Diskant deutlich in die Seite
integriert und steht samt Lager über dem Plattenrand
hinaus. Dadurch wird die Bodenfläche im Diskant
vergrößert. Eine klangliche Verbesserung durch diese
Maßnahme ist fraglich.
1.1.1. Die Akustische Anlage
Die Gussplatte weist einen Materialbruch durch die Blende und Spreize des Diskants auf. Wirbel und
Saiten sind fast rostfrei und weitgehend original.

Rastenspreizen, sowie Teile der Rückwand und der
Klötze, Resonanzboden, Bodenlager und Teile des
Stimmstocks sind schädlingsbefallen (anobium
punktatum).
Der dreifach kreuzweise verleimte Mittellage und
Diskant- sowie der fünffach kreuzweise verleimte
Bassstimmstock aus Buche ist mehrfach gerissen.

Die Resonanzbodenstege aus Rotbuche haben kein
Doppel. Die Stifte sind leicht korrodiert, zum Teil
ausgebrochen, insbesondere am Ausschnitt für die
Diskantplattenspreize. Ein solches Schadensbild ist für
ein Klavier dieses Fabrikats und Alters typisch.
1.1.2. Das Spielwerk
Die Mechanik ist unvollständig und in einem altersgemäß schlechten Zustand. Sämtliche Filze und
Tücher sind unbrauchbar, die Mechanikglieder sind zum Teil gebrochen oder fehlen ganz. Ca. 80% der
Mechanikachsen sind schadhaft. Die Mechanikbacken und -balken aus Buche sind technisch
einwandfrei.
Der fichterne Klaviaturrahmen mit Bucheeinsätzen für die Eisenstifte ist vollständig und technisch in
Ordnung.
Die Klaviaturbeläge, insbesondere die Elfenbein-Untertastenbeläge (2-teilig, Qualität A) sind technisch in
gutem Zustand und sollten ursprünglich wieder verwendet werden. Die Obertastenbeläge sind aus
Ebenholz und werden anderweitig wieder verwendet.
1.1.3. Das Gehäuse
Es handelt sich um ein typisches Gehäuse der späten
Gründerzeit. Arme und Blendlisenen des Oberrahmens
sind mit Schnitzwerk versehen. Die Konsolen sind
geschnitzt. Die mittlere Oberrahmenfüllung ist mit
einer Laubsägearbeit versehen. Die Ornamente sind
überwiegend Kannelierungen, sowie ein einfaches
Muschelwerk und Tierfüße an den Konsolen.
Trägermaterial ist die Fichte und Föhre
Stabtischlerplatte, einfach abgesperrt mit einem
2,5mm Nussbaumsägefurnier. Die geschnitzten
Konsolen sind aus Erle.
Das Deckfurnier ist durchgehend mit Walnuss Wurzel,
nur die Seiten und der Deckel sind mit schlichtem
Walnuss im Tangentialschnitt furniert.
Der Schelllack ist vollständig blind, weist durchgehend
ein starkes Alterssprungnetz auf und muss von daher
erneuert werden. Auf dieses Schadensbild gehe ich
deshalb im Folgenden nicht weiter ein. Die Rückwand,
die Stuhlbodenunterseite und die Unter- und Rückseite
des Instruments sind geschwärzt.
Das Deck- und Blindfurnier der unteren Gehäuseteile
sind stark von Ausfluglöchern durchsetzt, viele
Deckfurniere fehlen ganz.
Die originalen Rollen sind vorhanden, aber stark
korrodiert. Das Fichtenholz der Füße ist an den
Aufnahmen der Rollen aufgrund des Schädlingsbefalls
ausgebrochen.
Das weg gebrochene Material fehlt. Die
Beschläge sind weitgehend komplett und in
altersgemäßem Zustand.
1.1.3.1. Die Seiten
Die Diskantseite ist vollständig erhalten. Loses
Deckfurnier an den Kanten werden mit Warmleim
nachgeleimt, kleinere Ausbrüche mit Stangenschelllack
ausgebrannt.
Die Tischlerplatte der Bassseite ist an der Unterkante
aus dem Leim. Das Sägeunterfurnier und das
Deckfurnier fehlt hier bis auf eine Höhe von ca. 30cm.
Die Tischlerplatte muss nachgeleimt, Unter- und
Deckfurnier soweit unbedingt nötig ergänzt werden.
Als Unterfurnier muss ein 2,5mm dickes Sägefurnier
aufgeleimt werden.
Ob ich das Deckfurnier der Bassseite komplett
erneuere, entscheide ich, wenn ich neue Blätter in der
erforderlichen Breite - mindestens 340mm - habe.
1.1.3.2. Der Sockel
Das Furnier ist bis auf kleinere Ausbrüche vollständig.
Sockelboden und Pedalwerk sind stark verunreinigt.
Die Eisenteile stark korrodiert. Mausklötze,
Federaufnahmen und Wippklötze sind aufgeleimt und
müssen zur Reinigung abgeschlagen werden.
Die Pedalschalen aus Messing sind erhaltenswert,
werden aber nicht in diesem Instrument wieder
verwendet.
1.1.3.3. Die Konsolen
Die Konsolen sind aus Erle, die Oberfläche
nussbaumfarben gebeizt. Sie sind in gutem Zustand,
weisen einen leichten Altbefall mit entsprechenden
Ausfluglöchern auf.
An den vorstehenden Teilen sind die Konsolen leicht
beschädigt. Das Erlenholz kommt zum Vorschein.
An den Bohrungen für die Schrauben ist das Holz
leicht ausgebrochen.
1.1.3.4. Die Füße
Beide Füße sind stark vom Schädlingsbefall zersetzt.
Das Deckfurnier fehlt in großen Teilen.
Der Schädlingsbefall setzt sich vorwiegend an der
Leimfuge zu den Seiten fort.
Die Statik insgesamt ist nicht beeinträchtigt. Beide
Füße können wieder verwendet werden.
Das Deckfurnier des Bassfußes fehlt fast vollständig.
Teile der Ober- und der Vorderseite können vielleicht
erhalten werden.
Das Deckfurnier des Diskantfußes ist mehrfach
ausgebrochen und muss ergänzt werden.

Das Fichtenholz ist an beiden Füßen an der Aufnahme
der Montagebleche der Rollen aufgrund des
Schädlingsbefalls ausgebrochen.
1.1.3.5. Der Stuhlboden
Der Stuhlboden weist ebenfalls einen leichten
ehemaligen Schädlingsbefall auf und ist auf der
Oberseite zwischen Waagebalken und Rahmenhinterstück
stark durch Mäusekot verunreinigt.
Die beiden Rahmenfüllungen sind oberseitig bündig
und je einmal über ihre gesamte Länge gerissen.
Die umlaufende Profilleiste ist vollständig und weist
Ausfluglöcher auf. Das Profil ist im vorstehenden
unteren Bereich an mehreren Stellen eingedrückt.
1.1.3.6. Die Arme
Die Arme sind bis auf den allgemein schlechten
Zustand des Schelllacks und kleineren Ausbrüchen
vollständig und befallsfrei. Sie sind mit einem für die
Zeit typischen Muschelwerk verziert.
Die Innen- und Außenseiten sind in Nussbaum Wurzel
furniert.
Um das Schnitzwerk haben sich bei beiden Armen
Ablagerungen angesammelt. Um den originalen, aber
auch alten Eindruck des Gehäuses zu bewahren, werde
ich diese Stellen nur oberflächlich reinigen.
1.1.3.7. Der Deckel
Vorder- und Hinterdeckel sind bis auf kleine
Ausbrüche des schlichten Furniers vollständig. Wie
üblich sind die Deckel quer furniert. Die Fugen stehen
bis zu 1mm auseinander. Das Scharnierband ist
original und beidseitig eingelassen.
Der Vorderdeckel ist oberhalb der Blendlisenen des
Oberrahmens geschwungen ausgekröpft. Das Furnier
ist an mehreren Stellen durchgeschliffen und an den
Rändern stark verunreinigt. Die Umleimer sind
überfurniert.
Der Hinterdeckel wurde beim Abschlagen beschädigt.
Die Tischlerplatte ist zweimal gebrochen und das
Gegenfurnier vollständig zerstört.
1.1.3.8. Die Klappe und die Hohlkehle
Die Messingintarsien sind 0,3mm dick. Die Buchstaben
des Herstellernamens sind vollständig. Die äußere
umlaufende Ader ist aus der Nut gelöst und fehlt auf
einer Länge von ca. 40cm oberhalb des
Herstellernamens.
Die Höhlkehle und das Notenpult sind vollständig und
frei von Schäden. Das Scharnierband ist beidseitig
eingelassen.
Sämtliche Beschläge sind vorhanden. Die Schließleiste
ist aus Fichte mit einem angeleimten Halbrundprofil
aus Nussbaum, steht 5mm über die Klappe vor und ist
auf der Unterseite wieder mit Walnuss Wurzel furniert.
Die Klappe ist seitlich beschädigt. Das seitliche Furnier
ist unten...
...und oben ausgebrochen. Das Furnier der
Klappenschließleiste ist an beiden Rändern losgeleimt
und unvollständig.
Die Klappe und Hohlkehle sind in Wurzelnuss
furniert. Das Furnier ist aufwändig gesetzt.
1.1.3.9. Der Oberrahmen
Der Oberrahmen ist samt Füllungen in Nussbaum
Wurzel furniert, vollständig und unbeschädigt. Die
mittlere Füllung besteht aus einer Laubsägearbeit und
ist rückseitig mit braunem Stoff bespannt.

Die Lisenen sind geschnitzt und nehmen die
Ornamentik der Arme auf.
Die Kerzenleuchter sind bis auf die Armsplinte und ein
kleines Drehteil unter einem Wachsteller vollständig
und original.
1.1.3.10. Der Unterrahmen
Der Unterrahmen ist samt Füllungen in Wurzelnuss
furniert, vollständig und weist einen leichten
Schädlingsbefall auf.
Im unteren Bereich ist die Oberfläche an mehreren
Stellen bis ins Furnier beschädigt.
Das Furnier ist zum Teil an den Fugen der senkrechten
Rahmenteile gerissen.
1.2. Die Demontage
Das bereits abgesattelte Instrument ohne Gussplatte wird vollständig zerlegt, Bänder und Beschläge
abgeschraubt, die Teile werden markiert. Zierleisten, Lisenen, Füllungen und Profilleisten werden
zerlegt, um besser poliert werden zu können.
1.2.1. Die Beschläge
Sämtliche Messingbeschläge reinige ich. Die Bänderschrauben haben großteils keinen Halt mehr, deshalb setze ich neue ein. Die Bänder und die Scharniere poliere ich wieder auf Hochglanz, die Gussteile (Kerzenleuchter) bleiben auf Kundenwunsch in ihrer Optik unverändert. Die Pedale werden durch neue ersetzt.
1.2.2. Die Seiten und der Hinterdeckel
Die Seitenteile werden mit der Tischkreissäge
abgetrennt, überständiges Material ebenfalls von Hand abgehobelt.
Der Hinterdeckel kann nicht abgeschlagen werden, da
er vollflächig verleimt ist. Er wird daher nach
beidseitigem Einsägen in Rückwand und Stimmstock
mit der Handkreissäge und Nachstemmen gelöst.
Das überständige Material wird mit dem Handhobel
abgenommen.
1.2.3. Der Sockel
Sämtliche Teile des Sockelbodens müssen zur
Reinigung abgeschlagen werden. Ob das originale
Pedalwerk wieder verwendet wird, entscheidet sich erst
vor dem Umleimen.
1.2.4. Die Rahmen und Füllungen
Die Hinterfütterung der mittleren Oberrahmenfüllung
wird erneuert.
Die Profilleisten des Ober- und Unterrahmens sind in
der Gehrung gefedert.
Die „originalen" Reißzwecken werden wieder
verwendet.
1.2.5. Die sonstigen Gehäuseteile
An allen Teilen des Gehäuses markiere ich mit Kreppband die Stellen, an denen Leim-, Furnier- oder
Kittarbeiten nötig sind und sortiere sie nach der Reihenfolge der Arbeiten. Schrauben, die wieder
verwendet werden, sortiere ich. Die Bänder markiere ich auf der Rückseite. Die originalen Rollen reinige
und öle ich, damit das Instrument in der Werkstatt bewegt werden kann.
1.3. Ergänzungs- & Oberflächenarbeiten
Hier beschränke ich mich auf die Teile, bei denen
mehr als die reinen Schelllackarbeiten nötig sind. Auch
kleine Ausbesserungen und Leimarbeiten entsprechen
der üblichen Vorgehensweise und werden deshalb
nicht im Detail beschrieben.
Bei allen Gehäuseteilen wasche ich den Altlack mit
Alkohol und Stahlwolle Nr. 2 soweit nötig ab. Bei
komplett gewaschenen Teilen oder neu furnierten
Teilen (offenporig) streiche ich mit einer Mischung von
Balsamterpentinöl und Leinölfirnis im Verhältnis 1:1
vor und lasse die Teile zwei Tage ruhen.
Dann poliere ich zweimal mit Bimsmehl grund und
schleife jeweils mit Lackschleifpapier der Körnung
260.
1.3.1. Die Bassseite
Die Bassseite soll auf Kundenwunsch komplett neu
furniert werden. Ein passendes Furnierblatt zum
Ansetzen in der Länge habe ich bei meinem ersten
Besuch bei Steingraeber & Söhne in Bayreuth finden
können. Allerdings wäre das originale Blatt von
Ausfluglöchern (anobium punktatum) durchsetzt, das
angefügte jedoch frei von Ausfluglöchern. Vorbereitend
für die Furnierarbeiten wärme ich das komplette
Seitenteil auf dem Ofen an und bringe Warmleim mit
einem Spion zwischen die losen Stäbe der
Tischlerplatte.
Das Teil bleibt über Nacht in Schraubzwingen. Das
Absperrfurnier stemme ich nahe beim Stoß des
Deckfurniers ab, so dass das neue Blatt in der Länge
möglichst gut passt und setzet mit einem 2,5mm
Birnbaumfurnier an. Jetzt fällt die Entscheidung, das
alte Blatt komplett zu erneuern. Die komplette Seite
unterbaue ich deshalb mit Leisten und schleife das alte
Deckfurnierblatt mit der Tischbandschleifmaschine ab.
Die geschliffene Seite wärme ich in der Furnierpresse
an und furniere das Deckfurnier ebenfalls mit
Warmleim.
Beim Pressvorgang über 18 Stunden lege ich zur
Druckverteilung eine Styrodurplatte auf das
Deckfurnier und schalte die Heizung aus. Trotzdem
haben sich Teile des Deckfurniers im unteren Drittel
der Seite - vermutlich durch den Schädlingsbefall - in
die Tischlerplatte eingedrückt. Das neue Deckfurnier
beize ich vor dem Deckpolieren mit Wasserbeize auf
den Ton der Kante.
1.3.2. Die Füße
Die beschädigten Furniere müssen erneuert werden.
Leider ist auch die Oberseite des Diskantfußes
unvollständig und muss abgenommen werden.
Nur die Innenseite des Diskantfußes kann ich
erhalten.

Die ausgebrochenen Stellen an der Rollenaufnahme
ergänze ich: Am Diskantfuß stemme ich die
ausgebrochene Stelle aus und leime mit Warmleim
Fichtenholz ein.
Überständiges Material schleife ich beim Abnehmen
des Frontfurniers bündig ab.
Das Furnier des Bassfußes bügle ich vollständig ab.
Nach den Ergänzungsarbeiten auf der Unterseite reibe
ich neues Furnier mit dem Furnierhammer auf.
Die Oberseite furniere ich zuletzt.

Den Bassfuß schleife ich über die ganze Breite samt
dem Furnier am Tellerschleifer ab und schifte ebenfalls
Fichtenholz an. Danach schleife ich bündig.
1.3.3. Die Klappe
Ein Teil der Messingader fehlt.
Von einem Gürtler bekomme ich die passende Ader
(0,3mm) und leime sie mit Warmleim in die gesäuberte
Nut. Die Ader muss ich dabei streng in die Nut
einschlagen.
Trotz des guten Halts und Nachschleifen
bleibt sie nach dem Leimvorgang leicht wellig.
An den Stößen entsteht dabei eine kleine Fuge.
1.3.4. Der Hinterdeckel
Die mehrfach gebrochene Tischlerplatte des
Hinterdeckels leime ich.
Mittig an der Hinterkante des Hinterdeckels ist das
Furnier bis auf die Tischlerplatte ausgebrochen.
In zwei Lagen leime ich Nussbaumfurnier ein.
1.3.5. Das Vorbereiten für die Montage
Zum Höhenausgleich bereite ich einen Klotz vor, der
nach dem Umleimen auf den neuen Rasten geleimt
wird. Dieser soll vorne bündig mit dem Hinterdeckel
sein, oben bündig mit den Seitenteilen und hinten
bündig mit Hinterdeckel und Seiten.
Damit der Klotz möglichst unauffällig wird, entscheide
ich mich für einen Kiefernklotz, vorne mit Ahorn -
analog zu den inneren Seitenfurnieren - und hinten
mit Fichte - analog zum neuen Rasten - furniert und
zweimal mit Articryl matt lackiert. Den Klotz schneide ich
erst nach dem Umleimen auf Maß.
Die Diskantseite leime ich an der Stelle, an der der
Resonanzboden samt Lager eingelassen war mit
Fichtenholz aus.
Die Stelle befindet sich in der späteren Leimfläche zur
Aufnahme des neuen Rastens. Optische Nacharbeiten
sind also nicht erforderlich.
Die Bassseite fräse ich mit einer Schablone und einer
Handoberfräse aus, damit das für den Rasten
notwendige Einbaumaß erreicht wird.
Mit in der Frässchablone berücksichtigt ist die
Aussparung für den Stimmhammer beim Aufsetzen auf
die untersten Stimmwirbel.
Die alten Schraubenlöcher dübele ich aus.

Sämtliche Schrauben, Bänder, Scharniere, Schlösser
und Schließbleche, sowie die übrigen Beschläge reinige
und poliere ich.

Nicht alle Gehäuseschrauben werden wieder verwendet
(Sockel, Arme, Stuhlrahmen, Stuhlboden). Die
originalen Bänderschrauben reichen für ein Band und
werden poliert.

Alle Schrauben wachse ich vor dem eindrehen.
Fehlende Schrauben ersetze ich durch entsprechende
neue Schlitzschrauben.
Die Seiten und den Hinterdeckel schneide ich an der Hinterkante auf das für das Umleimen notwendige
Maß. Mit dieser Maßnahme erhalte ich gleichzeitig wieder parallele Vorder- und Hinterkanten der
Seitenteile. Dadurch ist sichergestellt, dass das Gehäuse bei der Montage nicht windschief wird.
Den Hinterdeckel bohre ich zweimal zur Aufnahme der Dübel (10mm) des Klotzes und markiere ihre
Position auf der Hinterkante.
Die Füllungen auf der Unterseite des Stuhlbodens
stemme ich so aus, dass die Unterrahmenriegel wieder
schließen.
Die Schlösser reinige ich mit Pressluft und Pinsel, weil
sie genietet und damit nicht zerlegbar sind. Für einen
leichteren Gang öle ich mit der Spritze.
Das originale Pedalwerk kann aus Platzgründen nicht
wieder verwendet werden. Den Sockelboden schneide
hinten so ab, dass noch ca. 1cm Luft zur Platte bleibt.
Für den Abschluss nach unten bereite ich eine
Sperrholzplatte vor. Diese soll verhindern, dass unnötig
Staub und Warmluft von unten in das Gehäuse dringt.
2. Steingraeber & Söhne, Fabrikationsnummer 45 548
Die Vorgespräche und eine Fabrikbesichtigung finden am 7. März 2007 statt. An diesem Tag suche ich
den geeigneten Rasten aus, bespreche mit dem Betriebsleiter, Herrn Wolfgang Schäffler, die Details und
suche Furnier für die Bassseite und die Füße aus. Vom 8. bis 10. Mai, vom 14. bis 15. Mai und vom 23.
bis 24. Mai 2007, also an 7 Tagen, bin ich in Bayreuth für den Bau des Modells 130, dem Umleimen und
dem Mechanikstellen.
2.1. Akustische Anlage
2.1.1. Die Auswahl und Vorbereiten des Rastens
Sieben Rasten des Modells 130 stehen bei Steingraeber
& Söhne in Bayreuth zu Beginn der Arbeiten zu
Auswahl bereit. Alle Rasten waren bereits mit
Bodenlager, Resonanzboden und Stimmstock und
Rückwand versehen. Der Resonanzboden ist bereits
einmal grundiert.
Wie üblich, bestehen Rastenspreizen und -klötze aus
Fichte, Resonanzboden, Berippung und Rückwand aus
Fichte aus höheren Lagen, Abbund und Bodenlager
aus Buche und der Stimmstock aus vielschichtigem
Buche-Sperrholz (Delignit).
Ich entscheide mich für einen Rasten mit sehr hoch
klingendem Resonanzboden, da bei einem Modell
dieser Größe erfahrungsgemäß eher Schwächen in der
oberen Mittellage und im Diskant zu erwarten sind.
Aus diesem Grund wird auch die Größe des
Resonanzbodens bei diesem Modell durch sehr
großzügig gestaltete Abbünde erheblich verkleinert.
Beim Abklopfen der Rasten sind große Unterschiede zu
hören.
Vor der Weiterverarbeitung schneide ich den Rasten
auf das für den Einbau notwendige Maß.
2.1.2. Das Aufleimen der Stege
Ich verwende massive Rotbuchestege (BU) mit einem
graphitierten Doppel aus Weißbuche (HB) anstelle der
sonst üblichen Stege aus Buche-Sperrholz. Diese
werden mit der Schablone auf den Resonanzboden
geleimt und verschraubt. An den Füßen sind
zusätzliche Zwingen notwendig. Ich verwende den für
den Hersteller üblichen Leim (Titebond gelb).
2.1.3. Das Vorbereiten und Lackieren der Gussplatte
Die Gussplatte des Modells 130 kommt aus der Gießerei.
Die Gussplatten werden aus Grauguss mit lamellarem
Graphit gefertigt.
Der Graphit und die hohe Masse der Platte sorgen dafür,
dass sie kaum Eigenfrequenzen ausbilden und sich so
weitgehend Klangneutral verhalten.
Vor dem Lackieren schleife ich die Platte ebenfalls auf
das für den Einbau notwendige Maß.
Mit der Schruppscheibe ebne ich Überständiges
Material ein und glätte die Oberfläche.
Unebenheiten verfülle ich mit einem 2KPolyesterspachtel
und schleife von Hand nach.
Lackiert wird die Gussplatte mit dem für den Hersteller
üblichen Lack.
Aus optischen Gründen schlage ichdie Anhangsstifte erst
nach dem Lackieren ein und kröpfe sie.
2.1.4. Das Aufpassen der Gussplatte
Die Platte wird plan auf den Stimmstock und das
untere Plattenlager (BU) aufgelegt, die oberen
Stützdübel und Plattenstützschrauben vermessen.
Das Richten der Stegüberhöhung erfolgt
herstellerüblich mit Schablonen ...
... und Einkerben des Doppels mit Drechselröhre und
Raspel.
2.1.5. Das Abstechen der Stege
Nach Abnahme der Platte hobele ich das Doppel auf
die markierten Höhen.
Mit Hilfe einer Schablone körne ich die Bohrungen für
die Stegstifte an.
Das Bohren erfolgt mit einer Handbohrmaschine und
einem Spiralbohrer mit dem Durchmesser von 2,4mm
für 7er Stegstifte (Durchmesser 2,5mm).
Vor dem Bestiften mit dem Hammer graphitiere ich
den bereits gebohrten Steg und steche ab.
Das Abstechen erfolgt ausschließlich nach Augenmass.
Ich verwende als einziges Werkzeug einen konischen
Stechbeitel mit der Klingenbreite von 24mm ohne
Hammer für den Längs- und Querabstich.
Den Abstich zur klingenden Länge versehe ich
zusätzlich mit einer kleinen Stufe am halben Stegstift,
um auch beim Einarbeiten der Seite am Steg die
exakte klingende Länge beizubehalten.
Den Basssteg fase ich mit dem Doppelhobel.
Nach dem Abstechen bestifte ich die Stege mit dem
Hammer.
Die Stifte werden nicht gefeilt, die Höhe der Stifte
nach Augenmass gerichtet.
Dabei schlage ich die Stegstifte weit ein, um das
Mitschwingen der Stifte so weit wie möglich zu
reduzieren.
2.1.6. Das Lackieren von Resonanzboden und Stegen
Die Stegdoppel lackiere ich seitlich mit dem Pinsel und
klebe bündig zum Rotbuche-Steg ab. Anschließend
klebe ich auch die seitlichen Flächen des Rastens
(Leimflächen) ab.
Der Resonanzboden und die Stege werden durch einen
Mitarbeiter matt mit Acryllack lackiert.
2.1.7. Das Aufschrauben der Gussplatte
Plattendübel und Stützschrauben werden eingesetzt
und die Platte aufgeschraubt. Ich kontrolliere noch
einmal die Stegüberhöhung. Anstelle der bassseitigen
Plattenbohrung für den Mechanikbolzen setzte ich
eine weitere Schraube ein, da diese Bohrung nach dem
Umleimen aus Platzgründen nicht mehr verwendet
werden kann.
Anschließend setze ich die Agraffen für den Bass und
die Mittellage ein und dübele die Platte aus.
2.1.8. Das Beziehen
Den Stimmstock bohre ich mit einem Spiralbohrer,
Durchmesser 6,7mm, unter einem Winkel von 15° mit
der schwenkbaren Ständerbohrmaschine.
Ich verwende herstellerüblich vernickelte Stimmwirbel
6,9 * 54. Für den Blankbezug verwende ich ebenfalls
herstellerüblich Draht der Firma Röslau, für den Bass
einen Bassbezug der Firma Heller mit dem für Steingräber
typischen Sechskantdraht.
Ich verzichte auf Tuchunterlagen an den
Anhangstiften, um ein späteres Ein- oder
Durchdrücken zu vermeiden.




In der Mittellage und im Diskant liegen die Saiten vor der ersten Wirbelreihe auf einem roten Auflagefilz
auf.
Aus diesem Grund verwende ich auch für das Plattenauflager ein rotes anstelle des herstellerüblichen
grünen Tuches. Der Druckstab wird aufgeschraubt, die Saiten an den Anhangsstiften und an den Stegen
angeklopft, ausgestrichen und zweimal gezwickt.
Links: Neueinbau mit Weißbuchestegdoppel, rotem Auflagertuch und vernickelten Anhangstiften
Rechts: Vergleichsmodell Steingraeber & Söhne, Modell 130K
2.2. Der Einbau
2.2.1. Das Umleimen
Weil die Seitenflächen des Rastens beim Beziehen erfahrungsgemäß etwas nach innen kippen, habe
ich den Rasten beim auf Maß schneiden an der Oberseite ca. je 1mm breiter gelassen als an der
Unterseite.
Vor dem Umleimen schraube ich die Arme an den
Seiten an. Stuhlboden, Sockel und Schlossleiste
lege ich für die Kontrolle in der Presse bereit. Die
Innenseiten klebe ich zur Leimfläche hin mit
Malerkrepp ab. Dann gebe ich mit dem Pinsel Leim
an.
Für das Umleimen der Seiten kann ich die
Verleimpresse der Serienfertigung verwenden. Der
umleimte Rasten bleibt einen Tag in der Presse. Ich
verwende den herstellerüblichen Leim (Titebond
gelb).
Beim Pressvorgang lege ich Stuhlboden und Sockel
mit in das Gehäuse. Das ist wichtig, damit auch die
übrigen Gehäuseteile nach dem Umleimen wieder
passen. Die Rahmen können zwar eingehobelt
werden, andere Teile wie die Klappe sind aber
seitlich furniert. Ein Nachfurnieren wäre unnötig
viel Arbeit, große Spatien zwischen den Teilen alles
andere als wünschenswert.
Nach einem Tag Pressdauer ist das Gehäuse
umleimt. Jetzt kann ich das genaue Maß für den
Klotz abnehmen und diesen einpassen.
Vor dem Einschrauben des Sockels und des unteren
Abschlusses garniere ich die Pedallöcher und
Schraube das Pedalwerk, noch ohne Züge und
Stößer ein.
Den unteren Sockelabschluss schraube ich von unten
an die Füße, den Rasten und das Vorsatzbrett.
2.2.2. Die Abschlussarbeiten
2.2.2.1. Das Schwärzen
Zum Schwärzen verwende ich einen Weingeistlack mit schwarzen Erdpigmenten (in diesem Fall
Rebschwarz). Dieser Lack deckt gut und gibt eine matte und beständige Oberfläche.
Geschwärzt werden alle original geschwärzten Gehäuseteile und solche, die durch das Bearbeiten
unschön geworden sind, zum Beispiel durch das Spachteln von Fraßgängen.
Die Untersicht des Stuhlbodens wird nur im
Rahmenbereich geschwärzt.
Die Doppel der Füllungen sind neu und werden
deshalb nicht geschwärzt.
Diese musste ich aufdoppeln, um den neuen
Stuhlrahmen ausreichend anschrauben zu können.
Die Ausfräsung der Bassseite schwärze ich wegen des
Auftretens von Fraßgängen in diesem Bereich der
Tischlerplatte.
Die Hirnholzkante der Tischlerplatte musste wegen
Beschädigungen und Ausbrüchen durch den
Schädlingsbefall mehrmals gespachtelt werden. Die
Rastenteile des Neuinstruments bleiben natürlich
ungeschwärzt.
Die Montagebleche der hinteren Rollen lasse ich
bündig mit der Rastenunterkante ein.
Die Rollenaufnahmen der vorderen Füße sind zu groß
und müssen (mal wieder!) mit Fichtenholz ausgeleimt...
...und neu eingelassen werden.
Nach der Montage der Rollen...
...schwärze ich die Untersicht der Füße. Die untere
Sperrholzabdeckung des Sockels ist neu und wird
deshalb nicht geschwärzt.
Die Füße schwärze ich außerdem an der inneren
Montageseite und auf der Oberseite an den nicht
furnierten Teilen.
Auch die alten Füße waren nicht vollständig furniert.
Die Arme musste ich ausklinken, um ausreichend Platz
für die Mechanik zu haben. An beiden Armen wurde
deshalb das Schraubenloch angeschnitten, wo der
Stuhlboden von unten schräg an die Arme
angeschraubt war.
Weil ich diese Stellen gespachtelt habe, schwärze ich
auch hier.
Die Seiten schwärze ich an den angeschnittenen
Stellen. Vorerst nur die Innenseite am Rasten, später
schwärze ich auch noch die Hinterseite, weil der
Hinterdeckel wegen Beschädigungen geschwärzt
werden musste.
Die Innenseiten im Instrument schwärze ich nicht. Sie
sind unbearbeitet im Originalzustand.
Der Hersteller hat besonders im unteren Bereich der
Innenseiten keinen besonderen Wert auf die Optik
gelegt.
2.2.2.2. Die Montage der Füllungen

Lose Rahmenverbindungen leime ich nach. Altes
Furnier entferne ich und setzt neues in die Gehrung
ein.




Die Rahmen schleife ich auf ihrer Rückseite nach.
Die fertig bei der Demontage markierten und jetzt
verleimten Profilrahmen setze ich wieder ein
und schraube sie mit den polierten und gewachsten
Schrauben wieder an.
Bei allen Gehäuseschrauben achte ich darauf, dass der
Schraubenschlitz mit der Holzfaser läuft.
Die Rückseite der mittleren Oberrahmenfüllung
reinige ich von den alten Stoffresten und bespanne sie
unter Verwendung der alten Reißzwecken.

Um ein Einreißen des Stoffes an den
Befestigungsschrauben zu verhindern, garniere ich die
Schrauben mit Waagebalkenfilzen.
2.2.2.3. Das Einpassen der Gehäuseteile
Am meisten Arbeit bereitet das Einpassen von
Zierbacken, Zierleiste und Klappe. Die Vorderkante
der Untertasten steht wie geplant ca. 1,5mm von der
Schlossleiste entfernt. Weil die Schlossleiste etwas
verdreht ist, bringe ich an der Vorderseite des
Stuhlrahmens drei Abstandstellschrauben an. Die
Position der Schlossleiste ist somit mein
Ausgangspunkt.
Als erstes hobele ich die Zierbacken ein. Die Höhe
lasse ich auf Originalmaß. Im Bass muss ich die
Innenseite der Backe schräg hobeln.
Beim Auflegen der Zierleiste stelle ich fest, dass die
Höhe der Klaviatur - nach dem Geradelegen natürlich
- gleich zur alten geblieben ist. Allerdings ist bei
diesem Modell die Zierleiste an den Backen
ausgeklinkt. Weil aber der Tonumfang um 2 Tasten
erweitert ist, ist die Leiste im Bass...
... und im Diskant zu weit ausgeklinkt.
Also muss ich die Zierleiste an der Unterseite auf
beiden Seiten um ca. 1 Tastenbreite ergänzen.
Ich verwende dazu Fichtenholz, den Faserverlauf
entsprechend der Leiste, um vorne Furnieren zu
können.
Überständiges Holz hobele ich ab, vorne lasse ich das
Holz um Furnierstärke zurückstehen.
Das Furnier der Vorderseite setze ich mit einem
Walnusskopffurnier an, schleife bündig, beize nach
und poliere dann die gesamte Zierleiste.
Danach schraube ich die Zierbacken an. Beim letzten
Einhobeln achte ich auf ein enges Spatium zur
Klaviatur.
Die Schrauben setzte ich so, dass beim Spielen kein
Kopf sichtbar wird, die Schraube aber noch gut
zugängig ist.
Damit ist auch die Position der Zierbacken festgelegt.
Jetzt passe ich die Zierleiste auf die Backen.
Die genaue Position in der Tiefe lege ich aber erst fest,
wenn die Tastenklappe fertig montiert ist und das
Klappenschloss schließt.
So ist gewährleistet, dass die Zierleiste nicht unter der
Klappe hervorsteht.
Die Tastenklappe muss um ca. 2mm nach vorne
versetzt werden, damit das Schloss schließt und die
Klappe nicht an den Zierbacken ansteht.
Dazu versetze ich die Schwalbenschwanzklötze an den
Armen.
Jetzt passe ich den Oberrahmen auf die Hohlkehle.
Logischerweise muss dieser wieder um ca. 2mm nach
hinten versetzt werden.
Hier reicht es eigentlich aus, den Dübel entsprechend
zu kürzen und die Garnierung an der Hohlkehle
entsprechend zu gestalten.
Später entschließe ich mich dann aber doch, die Dübel
zu erneuern.
Weil ich in der Höhe nichts verändert habe, ist der
Oberrahmen mit den Seiten bündig.
Nur seitlich muss ich - so wie den Unterrahmen auch
- etwas an den Seiten einhobeln.
Das ist ohne weiteres möglich, da die Rahmen seitlich
nicht furniert sind.
Mit eingebautem Oberrahmen lege ich den montierten
Deckel so auf, dass das Oberrahmenschloss schließt.
Jetzt übertrage ich meine Markierungen für die
Bohrungen vom Hinterdeckel auf den Klotz und setze
die Dübel.
Jetzt kann ich den Hinterdeckel aufleimen. Ich leime
nur punktuell, damit bei der nächsten
Generalüberholung - vielleicht nach weiteren 121
Jahren - der Deckel dann ohne Bruch zu lösen ist.
2.2.2.4. Die Garnierungen

Die Unterrahmenklötze garniere ich in zweifach auf
die Gesamte Fläche, damit der Unterrahmenriegel
guten Halt hat.
So ist auch ein Klappern oder Mitschwingen
ausgeschlossen.

Die Dübellöcher des Sockelvorsatzbretts und der
Hohlkehle garniere ich nach allen vier Seiten. Das
Loch selbst ist leicht konisch.

Auch der Deckelaufsteller bekommt eine Garnierung
in weinrot.
Die Unterrahmenriegel garniere ich rückseitig, um das
Furnier nicht zu verkratzen.
Den Übergang zwischen Platte und Seiten bzw. Klotz
garniere ich mit dem roten Saitenauflagefilz.
Die Mechanikbolzen bekamen die Tuchgarnierung zur
Platte schon beim Mechanikstellen.
Die runden Pedallöcher garniere ich rundum mit
weinrotem Zierleistenfilz, die Auf- und Unterlagen der
Pedale erhalten ebenfalls den originalen Steingraeber-
Filz.
Abschließend garniere ich die ergänzte Zierleiste.
2.2.2.5. Der Rastenabschluss
Die Seiten stehen noch über den neuen Rasten vor.
Der Hinterdeckel ist bündig mit den Seiten und dem
Klotz aufgeleimt.
Der Klotz und der Teil der ausgefrästen Bassseite, der
den Rasten aufnimmt, sind nach unten hin gerundet.

Halbrundstäbe und eine untere Abschlussleiste, die
nach oben hin gerundet ist, habe ich bereits in
Bayreuth gebohrt und auf Maß geschnitten.

Diese schraube ich mit Messingschrauben auf den
neuen Rasten. Ich achte auch hier darauf, dass der
Schraubenschlitz parallel zum Faserverlauf liegt.
Die untere Abschlussleiste ist aus Fichte, die
Halbrundstäbe aus Föhre und deshalb noch etwas
dunkler.
2.3. Spielwerk
2.3.1. Das Vorbereiten der Mechanik
Die Firma Steingraeber & Söhne bezieht von zwei
Herstellern ihre Mechaniken. Ich verwende eine
AP-Mechanik aus dem Hause Renner.
Die Anschlagslinie liegt nach dem Neueinbau 6mm
über dem für das Modell 130 üblichen Maß. Um
keine Reibung zwischen Pilote und
Hebegliedsattelpolster zu erhalten (HPW-Linie),
habe ich zusätzlich einen Satz Hebeglieder mit
einem um eine Nummer höheren Sattel bestellt.
Die „alten" Hebeglieder schraube ich aus, die
neuen sortiere ich nach Bass, Diskant und oberen
Diskant und schraube sie ein.
Leider war bei den neu gelieferten Hebegliedern
viel Arbeit erforderlich, um überall ausreichend
saubere Spatien zu erhalten.
Die Hammerköpfe der Firma Renner intoniere ich
vor und ziehe ich ab.
Ich forme die Hammerköpfe konventionell anstelle
der für Steingraeber & Söhne typischen
„Herzform".
Die vorbereiteten Hammerköpfe stiele ich mit dem
herstellerüblichen Leim (Titebond gelb) ein.
Für den Bass und den Diskant verwende ich dabei
hoch abgeklungene Stiele, für die Mittellage
mittelhoch abgeklungene.
Tief klingende Stiele verwende ich aus statischen
Gründen nicht.
2.3.2. Das Stellen der Mechanik
Zum Mechanikstellen bereite ich Mechanikstützen
aus Buche vor. Die vierte wird nach dem Stellen
unter die Mechanik montiert. So wird sichergestellt,
dass die Stützschraube am Mechanikbalken richtig
eingestellt ist.
Das Stellen erfolgt wie üblich: Auf Seite und Höhe
mit Probehämmern, Steighöhe nach
Probehämmern und Bassluft nach Stielschräge.
Jetzt stellt sich heraus, dass das Gehäuse
millimetergenau umleimt ist. Allerdings ist bei
korrektem Einbau des gesamten Spielwerks die
Taste Nr. 88 des c5 nicht unterzubringen. Ich
entscheide mich für gerade Hämmer und Piloten
und für eine Zierbacke im Diskant anstelle der
Taste Nr. 88.
Den eigentlich nach links gekröpften
Mechanikbacken im Bass ersetze ich durch einen
geraden Diskant-Backen, weil nach links kein Platz
mehr ist. Diesen setze ich auch im Rasten neu.
Dazu bohre ich die Platte schrittweise auf 15mm
durch. Die insgesamt um 32mm zu breite
Mechanik kürze ich an Mechanikbalken, Klappund
Ruheleiste. Klappleistenwinkel und
Bassbacken verschraube ich neu. So ist auch noch
Raum für den Stößer des linken Pedals.
Dann setze ich die Probedämpfer.
Zur Sicherheit prüfe ich noch vor dem
Dämpfungsetzen, ob die Mechanik ausreichend
Platz zum Oberrahmen hin hat.
Zu dieser Zeit arbeite ich zufällig parallel an zwei
nahezu identischen Steingaeber & Söhne - Klaviern
des gleichen Modells 144.
Eines im Original als Überholung im Kundenauftrag
mit der Fabrikationsnummer 9 543 und am
Neueinbau.
2.3.3. Das Dämpfungsetzen
Nach dem Kröpfen der Drähte und Zappeln der
Püppchen auf der Leiste leime ich die Dämpfer mit
Warmleim ein.
Für den Übergang verwende ich Doppelkeildämpfer.
Nach dem Leimen zappele ich die
Dämpfung am Draht nach.
Die Madenschraube ist werkseitig auf Mittelstellung
eingedreht und wird frühestens im Kundendienst
verwendet.
2.3.4. Das Hämmereinleimen

Die abgelängten Hämmer rolle und ritze ich. Die
Basshämmer habe ich vorher in der Lade bestoßen.
Dann feile ich auf Chor und Kontrafängerlinie.
Das Einleimen erfolgt mit dem herstellerüblichen
Leim (Titebond gelb).
2.3.5. Das Vorbereiten der Klaviatur
Das Elfenbein des Steingraeber & Söhne - Klaviers
4 729 löse ich mit Dampf von den alten Tasten und
presse es sortiert und noch feucht in Zulagen mit
Küchenkrepp. Nach dem Pressen und Trocknen
sind die Plättchen gerade und müssen nur noch
gereinigt werden.
Nach dem Reinigen stehen sie für das
Neuaufleimen zur Verfügung.
Später stellt sich heraus, dass ich diese Beläge nicht
für die neue Klaviatur verwenden kann.
Deshalb werden die Plättchen in Zulagen gelegt
und für die Überholung einer anderen Klaviatur
verwendet.
Die Klaviatur beziehe ich von der Firma Kluge ohne Untertastenbeläge. Die gelieferte Klaviatur hat
bereits schöne Fronten aus Celluloid. Die neue Klaviatur ist dann aber leider am Vorderstück zu lang
für die alten Beläge. Von der Firma Bücking erhalte ich einen Satz getigertes Elfenbein, Solid-Plates,
aus Altbeständen. So brauche ich die Fronten nicht erneuern und das Vorderstück kürzen und spare
die Stoßarbeiten beim Aufleimen.
Die Klaviatur markiere ich seitlich und Zahne die
Leimflächen ab. In der Verleimvorrichtung kann
ich immer 14 Plates aufleimen, so dass das
Elfenbein gleichmäßig über die Fronten steht.
Ich verwende hierfür weiß eingefärbten Hautleim
der Firma Jahn Pianoteile.
Überständigen Leim entferne ich direkt nach dem
Ausspannen, weil dieser beim Schleifen an der
Tellerschleifmaschine schmieren kann.
Nach dem Bündig schleifen, das sehr vorsichtig
durchgeführt werden muss, entferne ich die letzten
Leimreste an der Fuge mit der Feile und dem
Klotz.
Mit dem Klotz schleife ich die Beläge im Rahmen
bis zur Körnung 240 vor und die Vorderkante auf
gleiche Höhe.
Jetzt schleife ich mit Papier der Körnung 240 an
jede Taste die Rundung...
...und fase die Kanten.
Danach schleife ich die Beläge im Rahmen bis zur
Körnung 600 und poliere die Flächen und Kanten
der Beläge einzeln nur leicht nach, da der Kunde
keinen Hochglanz wünscht.
2.3.5. Der Einbau der Klaviatur
Das Rahmenhinterstück schneide ich gemäß der
Kröpfung der Klaviatur in drei Teile, da die beiden
mittleren Mechanikstützen in diesem Bereich
stehen. Das Rahmenhinterstück ist bereits fertig
mit dem Hinterdruckstreifen garniert.
Weil ich den Stuhlboden bereits auf das für den
Einbau (Plattennasen) erforderliche Maß auf Tiefe
geschnitten habe, schraube ich die
Rahmenhinterstücke bündig mit der
Stuhlbodenhinterkante auf.
Die Lage der Klaviatur zur Seite und in der Tiefe
richte ich nach den Hebegliedsätteln bei möglichst
geraden Piloten und nach einem Abstand von ca.
1mm zur Schlossleiste.
Den Waagebalken mit Rahmenvorderstück
schneide ich bündig mit den Tasten 1 und 87 ab,
damit die Zierbacken daneben Platz haben.
2.3.6. Das Regulieren und Ausarbeiten
Bevor die Tasten ins Klavier kommen, richte ich
noch einmal die Hämmer und bügle dann die
Steighöhe auf 48mm.
Die Tasten richte ich ein und bringe sie grob zu
Fall, weil sie ja bisher noch nicht ausgewogen sind.
Nach dem Einrichten kantel ich die Tasten bei
eingestellter Mechanik und richte die
Tastenspatien.
Die Drahtpiloten richte ich nach der HPW-Linie,
seitlich und senkrecht in beiden Richtungen.
Dabei stelle ich immer wieder unter, damit die
Piloten auch nach einem späteren Unterstellen
gerade stehen bleiben.
Die Piloten stehen sauber und ohne Schnabelluft
unter der Mechanik. Die Auslösung ist reguliert.
Jetzt richte ich den Halbgang.

Nach dem Geradelegen der Klaviatur richte ich die
Spieltiefe der Untertasten auf 9,8mm.
Die Spieltiefe der Obertasten richte ich nach dem
Regulieren des Fangs.
Jetzt kann das Klavier das erste Mal gestimmt
werden.
Die Mechanik wird noch mehrmals nachreguliert,
die Klaviatur ausgewogen, und noch mehrmals
gestimmt und intoniert.

Das Klavier ist fertig für den Versand.
3. Anhang
3.1. Materialnachweis
3.1.1.Das Gehäuse:
Hersteller: Firma Steingraeber & Söhne, Bayreuth, Fabrikationsnummer 4 729
Material: Fichte und Föhre Stabtischlerplatte abgesperrt mit 2,5mm Nussbaumsägefurnier,
Deckfurnier 1,0mm Europäischer Wallnuss Wurzel, Kopf und schlicht gemasert, Neufurniere der
Firma Steingraeber & Söhne
Beschläge: Messing, Firma Steingraeber & Söhne
Leime: Warmleim (Haut- & Knochenleim), Fischleim der Firma Dick, Metten
Lacke: Schelllack der Firma Dick, Metten, Nitrocellulose-Mattlack der Firma Arti
Spachtelmasse: 2-K Polyesterspachtel, BayWa
Beize: Wasserbeize der Firma Rosner, Wolfratshausen
3.1.2. Die Mechanik:
Hersteller: Firma Renner, AP-Mechanik, Fabrikationsnummer
Material: Mechanikteile Weißbuche, Hammerstiele Birke, Mechanikbalken Buchesperrholz
Leime: Firma Renner, Titebond gelb für Hammerleimungen, Fischleim für die Dämpfung
3.1.3. Die Klaviatur:
Hersteller: Firma Kluge, Fabrikationsnummer
Material: Grundkörper Fichte, Bäckchen Birke, Stuhlrahmen Rotbuche und Fichte, Stifte Messing
vernickelt, Filze der Firma Jahn, Fronten Celluloid, Untertastenbeläge Elfenbein Solid-Plates der
Firma Bücking, Erlangen, Cites-Nr. ausgewiesen, Obertastenbeläge Ebenholz
Leime: Untertastenbeläge Hautleim weiß, alle übrigen Leime durch Firma Kluge, keine Lacke
3.1.4. Die Akustische Anlage:
Hersteller: Firma Steingaeber & Söhne, Bayreuth, Fabrikationsnummer 45 548
Material: Rasten und Klötze Fichte, Bodenlager Rotbuche, Resonanzboden und Rippen Fichte,
Rosetten Edelstahl, Stege Rotbuche, Doppel Weißbuche graphitiert, Stegstifte 2,5mm vernickelt,
Stimmstockunterlage Fichte, Stimmstock Rotbuchesperrholz (Delignit), Stimmwirbel 6,9mm
vernickelt, Platte Grauguss GG 190, Blankbezug Federstahldraht der Firma Röslau, Bassbezug
Federstahldraht / Elektrolytkupfer, Spinnerei Gregor Heller, Plattenlager Rotbuche
Leime: Durchgehend Titebond gelb, 2-Komponentenkleber Pattex für die Plattengarnierungen
Lacke: Arti Acryl, transparent, matt
3.2. Technische Daten
3.2.1. Die Einbaumaße
Rastenbreite: 1377 mm
Rastenhöhe: 1380 mm
Seitenwandstärke: 42 mm
UK Sockel - OK Stuhlboden: 654 mm
HK Seite - IK Schlossleiste: 623 mm
IK Schlossleiste - HK O.-Rahmen: 327 mm
IK Schlossleiste - HK Stuhlboden: 431 mm
3.2.2. Das Gehäuse
Höhe: 1440 mm
Breite: 1534 mm
Tiefe: 669 mm
3.2.3. Die wichtigsten Mensurdaten
Die Anschlagslängen:
Nr. 1: 153 mm
Nr. 61: 21 mm
Nr. 73: 9 mm
Nr. 88: 2 mm
Die Saitendicken
Chor-Nr. Dr.-Nr. U.-Spi O.-Spi
1 23 0,85 1,75
2 23 0,80 1,70
3 23 0,75 1,65
4 22,5 0,75 1,55
5 22,5 0,70 1,50
6 22,5 0,70 1,40
7 22 0,65 1,35
8 22 0,60 1,30
9 22 0,55 1,25
10 21,5 1,70
11 21,5 1,60
12 21,5 1,50
13 19,5 1,20
14 19,5 1,15
15 19 1,05
16 19 1,00
17 19 0,95
18 18,5 0,85
19 18,5 0,80
20 18 0,70
21 18 0,65
22 18 0,60
23 17,5 0,55
24 17,5 0,50
25 17,5 0,45
26 17,5 0,40
27 17,5 0,35
28 17,5 0,30
29-30 19
31-36 18,5
37-40 18
41-44 17,5
45-52 17
53-58 16,5
59-64 16
65-70 15,5
71-76 15
77-82 14,5
83-86 14
87-88 13,5
3.2.4. Das Spielwerk
3.2.4.1. Die Reguliermaße:
Steighöhe: 48,0 mm
Auslösung Bass: 1,5 mm
Auslösung Mittellage: 1,0 mm
Auslösung Diskant: 1,0 mm
Fang: 15,0 mm
Spieltiefe: 9,8 mm
Überhöhung der Obertasten: 13,0 mm
Beschreibung:
Tonumfang: A2 bis h5, 87 Tasten und 88 Chöre, Ober- & Unterglieder
Dämpfung: Durchgehend dreiteilig, Übergang 4 Doppelkeile, Ton-Nr. 72-88 ohne Dämpfung
Piloten: Drahtpiloten Holz, graphitiert
3.3. Dokumente
3.3.1. Laufzettel Steingaeber & Söhne, Fabrikationsnummer 4 729
Pianino II 4729 Nußbaum
1887
18. Februar Leppert Rastn
14. März Hofmann Boden x
27. April Kaul beziehen
29. April Pöhlmann umleimen
30. April Fischer einpassen
31. Mai Volk schleifen
2. Juni Reh grundieren
9. Juni Arneth zusammensetzen
15. Juni Pötzel intonieren
16. Juni Schmidt auspolieren
20. Juni Berndt ausarbeiten
20. Juni Röder einrichten
22. Juni Müllich Meiningen (= Lieferdatum, Ersterwerber)
3.3.2. Rechnung Steingraeber & Söhne, Fabrikationsnummer 45 548
3.3.3. Rechnung Elfenbeinbeläge und Cites-Nummer-Nachweis
3.3.4. Garantieurkunde
3.4. Pflegehinweise
1. Kundendienst
Regelmäßige und fachgerechte Pflege erhalten den Wert Ihres Instruments. Beauftragen Sie stets
Klavierbauer mit Servicearbeiten an Ihrem Instrument. Die Schäden und Mängel, die durch
Nichtfachleute entstehen können, sind oft nur mit erheblichem Aufwand wieder zu reparieren. Nach
dem Ersterwerb ist das Instrument im ersten Jahr zwei- bis dreimal, in den folgenden Jahren
optimalerweise zweimal, mindestens jedoch einmal jährlich zu stimmen. Alle zwei bis drei Jahre
empfiehlt sich eine Überprüfung der Regulierung und Intonation, sowie eine Reinigung des
Spielwerks. Alle fünf Jahre sollten bei normalem Gebrauch Hammerköpfe, Intonation und
Regulierung überprüft, sowie Klaviatur und Mechanik gründlich gereinigt werden.
Regelmäßige Stimmungen mit Durchsicht von Mechanik und Klaviatur sind Voraussetzung für die
Einhaltung der Garantieleistungen.
2. Geräusche
Die Suche nach fremden Geräuschquellen im Instrument sollten Sie ebenfalls Ihrem Klavierbauer
überlassen. Oft kann ein Nebengeräusch auf Gegenstände zurückgeführt werden, die auf dem
Instrument stehen oder sich im Raum befinden.
3. Transport bei Kälte
Ihr Instrument möchte sich langsam an ein neues Raumklima gewöhnen. Nach einer Anlieferung oder
einem Tramsport bei sehr kalten Außentemperaturen sollten Sie zunächst die Raumtemperatur
reduzieren und dann langsam wieder erhöhen. Vermeiden Sie möglichst einen Transport bei Kälte.
4. Reinigung
Bei der Reinigung Ihres Instruments verwenden Sie bitte keine Möbelpolituren. Schelllackoberflächen
entstauben Sie am besten vorsichtig mit einem weichen, fusselfreien Tuch oder Staubwedel. Das Tuch
kann geringfügig angefeuchtet werden. Tastenbeläge, insbesondere Elfenbeinbeläge dürfen in keinem
Fall mit Reinigungsflüssigkeiten behandelt werden, in denen Alkohol, Spiritus oder andere
Lösungsmittel enthalten sind. Bewährt haben sich eine milde Seifenlauge oder Wasser mit
Geschirrspülmittel und ein weiches Ledertuch.
5. Standort
Der Standort eines Flügels oder Klaviers ist von besonderer Bedeutung. Stellen Sie das Instrument
nicht unmittelbar an die Wand. Lassen Sie zwei bis drei Finger Platz zur Wand. Stellen Sie es ebenfalls
nicht direkt vor eine Wärmequelle oder über Lüftungszuführungen. Direkte Sonneneinstrahlung auf
das Instrument ist schädlich für Oberfläche und Technik.
5. Raumklima
Beachten Sie vor allem die Luftfeuchtigkeit. Schwankungen zwischen 45% und 70% verträgt das
Instrument. Sowohl starke kurzfristige als auch saisonale Schwankungen, ebenso wie extrem niedrige
oder hohe Luftfeuchtigkeit verursachen schwere, oft irreparable Schäden am Instrument und sind
unbedingt zu vermeiden. Prüfen Sie die Luftfeuchtigkeit mit einem hochwertigen Hygrometer und
erhöhen Sie gegebenenfalls die Luftfeuchtigkeit - insbesondere im Winter - durch einen
Luftbefeuchter. Je gleichmäßiger die Luftfeuchtigkeit ist, desto besser ist das für Ihr Instrument.
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